Christen & Juden: Gemeinsam gegen den Antisemitismus

Bedrückend aktuell war das Thema, das Gastgeber Dr. Richard Kiessler für die STADTGESPRÄCHE.ruhr, die gestern Abend in der Alten Synagoge Essen stattfanden, ausgewählt hatte: Wie können Juden und Christen gemeinsam den sich erschreckend ausbreitenden Antisemitismus bekämpfen? In der von Pfarrer Steffen Hunder moderierten Talkrunde diskutierten Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, und Kirchenrat Wolfgang Hüllstrung, Beauftragter für den christlich-jüdischen Dialog in der Rheinischen Landeskirche, über die wachsende Gewalt, die die etwa 200.000 Jüdinnen und Juden in Deutschland immer häufiger erfahren. Die kulturelle Vielfalt des Judentums, so Lehrer, bedeutet so viel mehr als nur das Gedenken an das nationalsozialistische Verbrechen des Holocaust. Kiessler erinnerte in seiner Begrüßung an die jüngsten Meldungen, denen zufolge die Präsidentin der Israelitischen Gemeinde in München und Oberbayern nach dem AfD-Wahlsieg mit dem Tod bedroht wurde. Entsprechend scharf waren auch die Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld der Veranstaltung in der Alten Synagoge, die zu den schönsten jüdischen Gotteshäusern Europas zählt.

Leiterin dieses eindrucksvollen Hauses jüdischer Kultur, Prof. Dr. Diana Matut, begrüßte warmherzig die Gäste zum Neujahresfest Rosch HaSchana 5787, das die Jüdinnen und Juden weltweit vom 11. – 13. September gefeiert hatten.

Zu Beginn des dichten Programms stellte die Co-Gründerin und Vorsitzende des Projektes „Zweitzeugen“, Ruth-Anne Damm, ihr Projekt vor und wie die Erinnerungskultur von Überlebenden des Holocaust bewahrt und weitergegeben werden kann. Insbesondere an junge Menschen richtet sich die Initiative, die über die Erzählungen der Zeitzeugen selbst zu zweiten Zeugen bzw. Zeuginnen, somit zu Zweitzeug*innen werden, und sich gegen Antisemitismus und Diskriminierung im Heute einsetzen können.

Für die musikalische Begleitung sorgten die Sängerin Asisa Nasir, die mit ihrem ergreifenden Sopran die Gäste berührte, sowie der Pianist Christian Komorowski am Klavier.

Viele der rund 200 Gäste – die meisten waren zum ersten Mal in der Alten Synagoge – bedauerten, dass die Themen nur kurz angerissen, nicht in der gebührenden Tiefe behandelt werden konnten. Anspruch und Charakter der STADTGESPRÄCHE.ruhr ist, dass die Veranstaltung mit ihren Talkgästen in kurzen Gesprächsrunden lediglich Impulse geben möchte, die später beim entspannten Netzwerktreff im Gespräch, bei Essen und guten Getränken, mit den Impulsgebern vertieft werden können. Das Catering – selbstgekochte Köstlichkeiten – lieferten die Architekten Sharyar Azhdari und seine Frau Azadeh, in deren Kunstgalerie die STADTGESPRÄCHE letztes Jahr zu Gast waren.

Darüber hinaus gilt der Dank der Sparkasse Essen, der Winzergenossenschaft Mayschoss Altenahr, der Privatbrauerei J. Stauder, der Schlossquelle und der MSS Security Group.